Linux VDR
Die Abkürzung VDR steht für Video Disk Recorder und bedeutet nichts anderes als über Satellit, Kabel oder in Zukunft auch über Antenne digital empfangene Filme auf
Festplatte zu speichern. Die Fähigkeiten des Linux VDR gehen weit über die Aufnahme- und Abspielfunktionalität hinaus. Ich sehe den
Linux VDR daher eher als Multimedia Home Plattform.
Der Erfinder des Linux VDR ist Klaus Schmidinger. Auf seiner Homepage gibt es viele Infos zum VDR
und immer die neueste Version zum Download.
Klaus Schmidingers VDR bildet die Grundlage für alle VDR-Distributionen wie z.B. LinVDR oder ct-VDR, für die es unzählige Erweiterungen in Form
von PlugIns und AddOns gibt. Spätestens seit dem Erscheinen der ct-Distribution im September 2003 ist es für jederman möglich geworden sich
einen Linux VDR selbst zu bauen. Seit dem bin ich auch im VDR-Fieber und habe mir mit der ct-Distribution einen VDR aufgebaut.
Grundlegende Infos zum Aufbau des ct-VDRs gibt es auf der Heise-Homepage. Bei
weiterführenden Fragen ist das VDR-Portal die erste Adresse. Dort habe ich bisher
die Antworten auf all meine Fragen gefunden.
Ich möchte hier nicht im Detail auf die Lösung von Problemen eingehen, beantworte Fragen aber gerne per e-mail. Ich möchte vielmehr eine
Übersicht bieten was unser VDR alles kann und welche Hard- und Software wir verwendet haben.
Unser VDR
Was kann unser VDR?
Wir empfangen unsere Programme per Satellit und ich beziehe mich deshalb im Folgenden auf diese Empfangsmethode. Alle beschriebenen Funktionen kann
man vom Sofa aus mit der Fernbedienung aufrufen.
Empfang von ca. 200 TV- und Radionsendern
Der VDR ist zunächst einmal ein digitaler Satelliten-Receiver, wird also direkt an die Satellitenschüssel angeschlossen. Damit ist der
Empfang aller freien TV- und Radiosender möglich. Schätze es sind so 200 Programme.
Ausführliche Informationen zu allen Sendungen
Fast jeder Sender bietet EPG-Daten, die ausführliche Informationen zu allen Sendungen beinhalten. So kann man sich Infos zur momentan laufenden
Sendung und zu allen nachfolgenden Sendungen des aktuellen Senders und auch der anderen Programme anzeigen lassen. Eine recht praktische Funktion
ist das Auflisten aller gerade laufenden bzw. aller darauf folgenden Sendungen über alle Kanäle.
Programmierung von bis zu 6 parallelen Aufnahmen
Hat man sich aus der Progammübersicht eine Sendung ausgewählt, kann man durch drücken der Aufnahme-Taste einen Timer für die Sendung speichern.
Es lassen sich bis zu 6 Aufnahmen gleichzeitig machen. Voraussetzung ist allerdings, dass die Hardware die Datenmenge verarbeiten kann und dass
alle Sendungen auf einem Transpnder bei einer installierten Empfangskarte bzw. auf zwei Transpondern bei zwei installierten Empfangskarten liegen.
Timeshift
Durch das Aufnehmen auf Festplatte ist Timeshift möglich. Man kann das laufende Programm jeder Zeit durch einen Druck auf die Pause-Taste anhalten
und zu einem späteren Zeitpunkt mit der Play-Taste an genau der gleichen Stelle fortsetzen. Im Hintergrund wird ab dem Zeitpunkt wo die
Pause-Taste gedrückt wurde die Sendung aufgenommen. Diese Funktion kann man auch dazu verwenden, um bei Werbung schnell vor zu spulen. Dazu muss man
den Film von Anfang an durch Druck auf Pause oder durch einen Timer aufnehmen. Wenn man dann ein paar Minuten nach Filmbeginn das Aufgenommene abpielt,
ist der Film, der vom Satelliten kommt schon um diese Zeit vorraus und man kann bis maximal zu dieser Zeit vor spulen.
Abspielen von Aufnahmen
Im Menü Aufzeichnungen erhält man eine Übersicht aller Aufnahmen auf der Festplatte. Man kann die bei der Aufnahme gespeicherte Filmbeschreibung
abrufen, um nähere Infos zu einem Film zu erhalten und man kann eine Film abspielen oder löschen. Während der Film abspielt kann man eine Zeitleiste
einblenden, vor- und zurückspulen, minutenweise vor- und zurückspringen, den Film anhalten um eine bestimmte Zeit vor- oder zurückspringen.
Automatisches Markieren von Werbeblöcken in Aufnahmen
Das automatische Markieren von Werbeblöcken geschieht je nach Konfiguration entweder direkt nach der Aufnahme oder wird manuell gestartet, indem man
einen Film auswählt und die entsprechende Taste drückt.
Schneiden von Aufnahmen
Zum Schneiden einer Aufnahme muss diese zunächst im Abspielmodus sein. Wenn man die Schnittmarken für Werbung, Anfang und Ende des Films automatisch
setzen hat lassen, kann man diese nochmal korrigieren und framegenau verändern. Ansonsten setzt man die Schnittmarken durch die entsprechenden Tasten
auf der Fernbedienung. Danach wird die Taste zum Schneiden der Aufnahme gedrückt und eine Kopie des Filmes ohne die zu entfernenden Teile erstellt.
Ist das Ergebnis wunschgemäß, kann man die original Aufnahme löschen. Dadurch lässt sich eine Menge Festplattenplatz sparen.
Erstellen von DVDs mit Menü
Es lassen sich DVDs erstellen, die eine oder meherere Aufnahmen beinhalten. Dazu muss man alle Filme, die auf die DVD sollen einer Liste hinzufügen.
Dann sucht man in den Filmen nach einem gemeinsamen Hintergrundbild für das Hauptmenü der DVD und einem Hintergrundbild pro Film für das jeweilige
Untermenü. Dazu wird der Film abgespielt, an der entsprechenden Stelle angehalten und der Bildschirm abfotografiert. Wenn man nun die Liste abarbeiten
lässt, wird ein ISO-Image erstellt, das nur noch auf DVD gebrannt werden muss. Das Image enthält die fertige DVD-Struktur. Das Haupmenü zeigt die Auswahl
der enthaltenen Filme. Wählt man einen Film, so gelangt man zu dessen Untermenü, wo man eine Beschreibung des Filmes findet und einen Button zum
Abspielen. Jeder Film wird standardmäßig in Kapitel von 15min Länge unterteilt. Alle Einstellungen sind konfigurierbar.
Erstellen von MP2s
Aus jeder Aufnahme lässt sich eine MP2-Datei erstellen.
Erstellen von MP3s
Aus jeder Aufnahme, sowohl TV als auch Radio, lässt sich eine MP3-Datei erstellen.
Abspielen von DVDs
Sowohl die mit dem VDR erstellten DVDs als auch gekaufte DVDs lassen sich mit dem VDR fast wie mit einem DVD-Player abspielen.
Abspielen von VideoCDs
Es lassen sich auch VideoCDs abspielen wie mit einem DVD-Player.
Anschauen von Fotos
Es gibt die Möglichkeit seine Bilder direkt von Festplatte, Netzwerk oder CD anzuschauen, als Diashow ablaufen zu lassen, die Bilder zu drehen und
zu zoomen. Es werden die gängigen Formate wie .jpg, .gif, .png unterstützt.
MP3s abspielen
Der VDR bietet nicht nur was für die Augen sondern auch was für die Ohren. Man kann seine komplette MP3-Sammlung mit dem VDR abpielen egal ob von
Platte, Netzwerk oder CD. Man muss nur den richtigen Pfad angeben. Unterhalb dieses Pfades kann man dann durch die Verzeichnisstruktur navigieren
und die MP3s abspielen. Es lassen sich auch PlayLists per Fernbedienung erstellen und abspielen. Man kann beim Abspielen die Zeitleiste einblenden
lassen, vor- und zurückspulen, zum nächsten Titel springen und die ID3-Tag Infos anzeigen lassen.
Fernsehzeitung
Ein weiteres Zusatzsfeature ist das Anzeigen der Programmdaten in Tabellenform mit Sender und Uhrzeit wie man es aus der Fernsehzeitung gewohnt
ist. Darüber lassen sich auch Aufnahmen programmieren.
E-mails lesen
Ein tolles Feature ist finde ich das Lesen von emails mit dem VDR. Voraussetzung dafür ist, dass man mit dem VDR online ist. Bei DSL-Nutzern, die
vielleicht auch noch WLAN haben ist das sowieso immer der Fall. Wenn man dann in der Werbung gerade nichts zu tun hat ruft man kurz seine emails ab.
Das bedeutet man kann sie lesen oder direkt am Server löschen jedoch nicht auf den VDR herunterladen.
Spiele spielen
Eine kleine Spielerei sind, wie der Name schon sagt, die Spiele à la Tetris, MineSweeper und Co. Sie werden einfach über die aktuelle Fernsehsendung
geblendet.
Bild in Bild schauen
Jeder Formel 1 Fan kennt sie, die Bild in Bild Technik. Dabei kann man ein Programm in Bildschirmgröße sehen und hören wobei gleichzeitig ein zweites
in einem kleinen Fenster links oben ohne Ton abläuft. Das kann man zum Beispiel nutzen, wenn man in der Werbung den Sender wechselt aber genau sehen
möchte wann es weiter geht.
Automatisches Hoch- und Runterfahren
Es lässt sich eine Zeit für Inaktivität des Benutzers einstellen. Wenn nach dieser Zeit (bei mir 2 Stunden) keine Taste der Fernbedienung gedrückt
wird fährt der VDR automatisch herunter. Vor dem Herunterfahren, egal ob durch Timeout oder durch Ausschalttaste auf Fernbedienung ausgelöst, wird
geprüft ob ein Timer programmiert ist. Ist dies der Fall, so wird die Zeit 5 Minuten vor Beginn der nächsten Aufnahmen ins BIOS geschrieben und der
Rechner dann heruntergefahren. Sofern das BIOS das unterstützt und der Rechner nicht vom Stromnetz genommen wird fährt er automatisch zu dieser Zeit
hoch, startet die Aufnahmen und fährt danach wieder runter. Ist eine weitere Aufnahme programmiert wird der Vorgang wiederholt bis alle Timer
abgearbeitet sind.
Ins Netzwerk streamen
Ein weiteres nützliches Feature ist das Betreiben des VDR als Streaming Server. Dabei können auf einem anderen Computer im Netzwerk mit der Abspielsoftware
MPlayer Programme geschaut werden, die der VDR empfängt.
VDR über Browser administrieren
Die VDR-Software beinhaltet ein webbasiertes Administrations-Tools names VDR-Admin. Von einem beliebigen Rechner im Netzwerk verbindet man sich im
Browser mit dem VDR und kann dort die Grundfunktionen wie Fernsehprogramm lesen, Timer programmieren und löschen komfortable mit Maus und Tastatur
erledigen.
Welche Hardware haben wir verwendet?
Grundsätzlich ist es möglich den VDR mit einem Prozessor ab 200MHz und mit RAM ab 64MB zu betreiben. Da wir keinen alten Rechner übrig hatten und wir
außerdem einen Barebone haben wollten, der sich optisch ins Wohnzimmer integriert, haben wir ein neues System zusammengebaut so wie es in der c't
Ausgabe 20/2003 beschrieben ist. Mittlerweile sind noch ein paar Komponenten hinzugekommen. Hier ist eine Auflistung:
- Barebonegehäuse: MSI Hermes 651-P
Gehäuse mit Mainboard und Netzteil. Mainboard hat zwei PCI-Steckplätze und eine gute OnBoard-Grafikkarte mit DVI-Ausgang. Außerdem hat der
Barebone 2 PCMCIA-Steckplätze und alle aktuellen Schnittstellen wie USB2.0 und Firewire.
- Prozessor: Intel Celeron 2GHz
Das günstigste was es von Intel zu der Zeit bei meinem Lieblingsanbieter gegeben hat.
- Hauptspeicher: Infineon 256MB DDR RAM
Weniger ist bei Neuanschaffung unsinnig.
- Festplatte: 80GB Samsung
Die Größe hatte damals das beste Preis/Leistungsverhältnis. Wichtiger als die Größe ist meiner Meinung nach die Lautstärke.
- Empfangskarte 1: Haupauge Nexus-S (Full Featured)
Sehr gute digitale Satellitenempfangskarte mit Hardwarede- und encoder, Video und Audioausgang, Fernbedingung und digitalem AudioOut. Eine
solche Full Featured Karte ist als erste Karte unbedingt notwendig, wenn das ganze auf den Fernseher ausgegeben werden soll.
- Empfangskarte 2: Haupauge Nova-S (Budget)
Sehr gute digitale Satellitenempfangskarte ohne Hardwarede- und encoder und jeglicher Ausgänge. Eine
solche Budget Karte empfielt sich nur als Zweitkarte und ist nötig um 2 Programme auf unterschiedlichen Transpondern gleichzeit zu schauen
oder aufzunehmen.
- DVD-Laufwerk: Toshiba
Ein einfaches DVD-ROM Laufwerk aus einem alten Rechner.
- WLAN: Netgear WG511
54 Mbit/s Wireless LAN Karte für PCMCIA-Slot. Übertragungsrate reicht für Video streaming aus.
- Graphisches LCD: 128x64 Crystalfontz
Blauweißes Display, das die Ausgaben des OSD darstellt. Damit ist es möglich den VDR komfortabel auch ohne Fernseher zu bedienen z.B.
zum Radio oder MP3 hören.
- Besonderheiten: Papstlüfter-Umbau für Prozessor und Netzteil
Da der mitgelieferte CPU-Lüfter und der Netzteillüfter für Wohnzimmer zu laut waren, habe ich jeweils eine 80mm Gehäuselüfter von Papst verbaut.
Dazu waren allerding erhebliche Gehäusearbeiten notwendig.
Welche Software haben wir installiert?
Ich habe zunächst die ct-VDR Distribution installiert und bin dann auf Tobi's Multipatch Repository umgestiegen, da es meist aktuellere Updates bietet
als das ct-Repository:
- Distribution: c't VDR 1.2.6-26 mit Tobi's Multipatch
- Kernel: 2.4.24-ctvdr-2
- PlugIns: remote, mp3, dvd, vcd, image, timeline, osdpip, mailbox, games, dvdselect, streamdev-server, femon, tvonscreen, graphlcd
- AddOns: icons, noad, vdrconvert, nvram-wakeup, schemes
Was ist in Planung?
- größere Festplatte
- moderneres OSD
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